Hospizarbeit braucht Haltung

Mein erster Besuch einer kleinen katholischen Altenpflegeeinrichtung. Vor ein paar Tagen haben 3 unserer Ehrenamtler eine Sterbende im Haus begleitet. 

Schon der Eingangsbereich lädt ein zum Verweilen. Ein Meer von Blumen, ein See, eine Dachterrasse. Innen empfängt uns ebenfalls das Gefühl willkommen zu sein. Neben Gesprächen mit der Heimleitung und Pflegedienstleitung um eine weitere mögliche Zusammenarbeit, treffen wir auf die Oberin des Hauses. Wir kommen ins Gespräch über die Begleitung und die Verstorbene, die nicht einmal 2 Wochen in der Einrichtung lebte … als ambulanter Hospizdienst ZAPUH sind wir der Oberin noch nicht bekannt. Da kommen schnell Fragen auf … wer wir sind … welchen Hintergrund wir haben … ob wir eine christliche Trägerschaft haben …

Diese Fragen müssen wir wie bei vielen Tendenzbetrieben bzw. religiös verankerten Einrichtungen mit nein beantworten. Das lässt mich ein wenig ängstlich dem weiteren Gespräch folgen.

Wir 3 Koordinatorinnen von ZAPUH sind alle als evangelische und katholische Christinnen tief im christlichen Glauben verwurzelt. Dieser gibt uns Halt, Orientierung und Hoffnung für unsere Arbeit. Und doch sind wir kein „christlicher“ Hospizdienst. Wir sind offen für alle, die das Herz am richtigen Fleck haben und mit uns eine liebevolle, dem Menschen zugewandte Haltung teilen und in der Begleitung Sterbender nicht ihre eigenen Ideen, Fachlichkeit oder Fürsorge umsetzen wollen, sondern miteinander darauf achten, dass wir zum Wohl des Sterbenden bzw. zu begleitenden Menschen handeln.

Wir wollen die Oberin für uns einnehmen, für unseren weltanschaulich „neutralen“ Hospizdienst und erzählen, dass wir beten, wenn es gewünscht ist und dass der Ehrenamtler mit der Begleiteten gebetet habe … im Nachhinein muss ich darüber schmunzeln …

Sie sagt: „Das Beten ist mir gar nicht so wichtig … auf die richtige Haltung kommt es an …“

Dieser Satz der Oberin lässt mich aufhorchen, berührt mich und geht mir Tage später noch nach … Sie erzählt, sie habe schon so viele Menschen in der Versorgung und Begleitung Sterbender gesehen, die einfach nur ein Programm abspulen, Fachlichkeit einbringen, die bestimmt auch sehr gut sei und doch nicht zum Wohl des Menschen handeln … 

Das lässt mein Herz höher schlagen. Wir sprechen eine gemeinsame Sprache. Es geht um den Menschen, dem wir begegnen … darum, was er will und braucht und nicht, was wir wollen … es geht um Haltung!!! Und dabei kann man sowohl mit einer hohen pflegerischen Fachlichkeit an den Bedürfnissen des zu Pflegenden vorbei gehen als auch mit religiösem Verhalten, Gebeten, die aber in der entsprechenden Situation gar nicht gewünscht oder hilfreich sind …

Ich verlasse das Haus frohgestimmt, weil ich einen Menschen getroffen habe, der meine Idee von Begleitung teilt.

Bettina Leweke


Kommentar schreiben

Kommentare: 0