Nah dran - Kolumne zur Hospizarbeit

Wann sind Hospizhelfer Gefragt?

Sie ist tot.
Längst bevor sie gestorben ist.
Ihre Freunde sind tot.
Ihr Mann ist verstorben.
Alles, was ihr Leben mit Freude und Sinn erfüllt hat, geht nicht mehr....
Die 96jährigen Dame, die ich diese Woche besucht habe, ist fast ganz blind und taub.
Sie lebt allein und ist mittlerweile weitgehend ans Bett gefesselt.
Wenn man die Arbeitszeit des Pflegedienstes und die Besuche abrechnet, ist sie 22 Stunden des Tages allein und das ohne jegliche sinnliche Reize.

Ich bin von der Seniorenberatung gefragt worden, warum wir von ZAPUH dorthin gehen. Sie sei doch nicht sterbend.
Stimmt, sie ist schon gestorben.
Sozialen Tod nennt man das.

Für uns als Hospizdienste gibt es in der Begleitung Höchstbetagter viel zu lernen. Wir machen das längst noch nicht gut.
Aber selbstverständlich gehören sie in die Mitte unserer Bemühungen: Sie sind multimorbid, das heißt sie leiden unter vielen Erkrankungen.
Sie haben eine hohe Symptomlast, die von - oft unbeachteten - Schmerzen bis hin zu Ängsten, Einsamkeit und Lebensmüdigkeit reicht. Wenn so ein Mensch erst einmal bettlägrig ist, kommen rasch die Druckgeschwüre, Kontrakturen, Atembeschwerden... Das alles wird sicher nicht besser! Sie sind gewiss in der letzten Lebensphase. Egal wie lange die nun vielleicht noch dauert.
Wenn es andere gibt, die da begleiten und Zeit und Leben schenken: wunderbar.
Unsere Hospizhelferinnen und -helfer jedenfalls wissen, dass sie da genau richtig sind!

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