Bernhardt: Ein Appell für psychosoziales Engagement

Bernhardt, so heißt er, ist trotz seiner fortgeschrittenen Erkrankung fröhlich, aber die Erkrankung ist so weit fortgeschritten, dass er nicht einmal sein Essen als solches erkennen kann. Er benötigt also nicht nur Hilfe beim Essen, sondern auch durch die besondere Führung des Bestecks muss sein Schluckreflex angeregt werden. Dies ist eine sehr anstrengende und schwierige Pflegeaufgabe, die seine Tochter, jetzt 60 Jahre alt, seit Jahren auf sich nimmt, während sie selber Kinder aufgezogen hat, Haushalt und Hof versorgt.


Ihre Mutter, Bernhardts Ehefrau, ist 92 Jahre alt und durch vielfältige Erkrankung ebenfalls gebrechlich und zur Zeit wegen einer Grippe bettlägerig, kann nicht essen und auch nicht selbstständig zur Toilette gehen, auch sie braucht 24 Stunden Pflege.


Das liebevolle Ehepaar liegt nebeneinander in 2 Betten.


Die Tochter ist jetzt selber auch vom Grippevirus befallen und fühlt sich krank und schwach, versorgt die beiden ader seit Tagen und - hier mag man das Wort kaum in den Mund nehmen – auf aufopfernde Weise.


Mit Tränen in den Augen erzählt sie, dass sie so erschöpft sei, dass sie spüre wie die Liebe zu ihren Eltern langsam in Hass umschlagen könne.


Hier, und dies ist auch ein Beispiel aus dem wirklichen Leben, zeigt sich, dass die Pflege von Angehörigen die psychischen und physischen Reserven vollkommen aufzehren kann und ein über lange Zeit funktionierendes System gegenseitiger Hilfe zusammenbricht.


Es ist seit langem bekannt, dass ein Drittel aller Pflegenden während dieser Zeit selbst ernsthaft erkrankt. Von daher ist es wichtig, sich so früh wie möglich Freiräume zu verschaffen, zum Beispiel dadurch dass professionelle Pflegedienste mit ins Boot geholt werden, man sich in Selbsthilfegruppen trifft, oder sich gelegentlich Auszeiten nimmt, was zum Beispiel durch Tagespflege, stationäre Kurzzeitpflege oder Verhinderungspflege bewerkstelligt werden kann.


Pflegekassen und Pflegedienste, die Pflegeberatungen der Krankenkassen und Kommunen oder psychosoziale Dienste - wie ZAPUH - können dazu wertvolle Hinweise geben.


Nun ist es aber - und die aktuelle Diskusion zeigt dies auch - im Bereich der ambulanten Pflege, wie auch der Krankenhauspflege zu personellen Engpässen gekommen. Der wesentliche Grund liegt darin, dass die in der Regel hoch engagierten Pflegenden in der gesellschaftlichen Anerkennung und Bezahlung zu kurz gekommen sind.


Die Belastungen durch die knappen Tarife der Kostenträger zu Arbeit in ständiger Hetze führen die Pflegenden in den BurnOut. 


Hier sind politische Versprechen kurzzeitig auch nicht zielführend, da uns wegen der seit Jahrzenten zurückgegangenen Geburtenzahl Menschen, die dazu ausgebildet werden könnten, fehlen.


Dieser Mangel an Personal wird auch die hausärztliche Versorgung treffen, und ist zum Teil auch schon spürbar. Insofern werden Kriesenzuspitzungen dieser Art kurz- und mittelfristig nur durch bürgerliches Engagement (wo man lernt, wie man sich in solchen Situationen unter die Arme greift) zu lösen sein.


Hier gibt es in Brüggen eine Reihe von Organisationen, die helfen können, zum Beispeil der Hospizdienst ZAPUH Grenzland e.V. Tel. 5749177 und die Initiative JedermannHilfe Brüggen e.V. Tel. 5701196.


Wer sich also in der Pflege seiner Angehörigen befindet, kann und soll sich verschiedenste Unterstützung holen:


bei den Pflegediensten vor Ort


bei Betreuungsdienstleistern


bei Selbsthilfegruppen und


bei Organisationen, die ehrenamtliche Dienste anbieten,


um sich und seinen Angehörigen auf angemessene Art und Weise helfen zu können.


Wir werden in den nächsten Jahren sehen, dass sich solche Angebote weiter verbreiten werden. Das jedenfalls ist unsere Vision!


Quelle: http://hausarztzentrum-brueggen.de/index.php?option=com_content&view=article&id=455:gesundheit-der-pflegenden&catid=8:brueggener-stadtjournal&Itemid=26


Und wer bei ZAPUH mitmachen will, einfach mal das Gespräch suchen: Unsere Koordinatorin Ida Lamp macht dazu gerne einen Termin mit Ihnen aus - 02163 5749 177