Mund befeuchten

Ein wichtiges Thema in der letzten Lebensphase ist Mundpflege: Wenn Menschen keine oder nur sehr wenig Flüssigkeit zu sich nehmen, stillt eine gute Mundpflege das Durstgefühl. Oft atmen Menschen mit offenem Mund und die Schleimhäute trocknen aus. Dann muss man den Mund befeuchten - mit geforenen Wasser- oder Saftsplittern, mit einer in Wasser oder Tee getauchten Kompresse, mit einer Pipette mit einem Lieblingsgeschmack...

Die Ursachen der Mundtrockenheit können übrigens sehr vielfältig sein: (modifiziert nach Bausewein et al. 2015, S. 148 f.)
– Verminderte Speichelsekretion durch Medikamente (Opioide, Antidepressiva, Diuretika,...), Stoffwechselerkrankungen, eingeschränktes Kauen, Verschluss oder Einengung der Speicheldrüsenausführgänge.
– Dehydratation (also Austrocknung) und Speichelverlust aufgrund mangelnder Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme, aufgrund von
Mundatmung mit Austrocknung der Schleimhaut oder bei Sauerstoffgabe.
– Mundschleimhauterkrankungen wie Mukositis, Pilzinfektionen, tumoröse Ulzerationen
u. a. durch Störungen des Immunsystems (nach Chemo- oder Radiotherapie).
– Psychische Ursachen (Angst, Depression) „Da bleibt mir die Spucke weg.“

Manchmal ist es dienlich, Speichelersatzpräparate zu verwenden, die es mittlerweile in vielfältigen Anwedungsformen - als Spray, Gel, Lutschtablette - gibt. (Dazu unten eine Tabelle für Fachleute - zitiert aus: https://www.zm-online.de/…/speichelersatzmittel-zur-behand…/ - zuletzt eingesehen 23.10.2018.) In den letzten Lebenstagen werden sie von Fachleuten eher nicht empfohlen - mehr als Begleittherapie in der palliativen Situation oder bei onkologischen Patienten.

Wir danken der Firma Medac, die uns ihr Produkt Salivanatura kostenlos für unsere Schulungen zur Verfügung gestellt hat. Saliva natura ist das einzige Präparat in Deutschland, das als Basiswirkstofft den natürlichen Extrakt der Heilpflanze Yerba Santa verwendet - schreibt uns die Firma. Für Patienten, die unter krankheitsbedingter Mundtrockenheit leiden, ist das Produkt, das ein Speichelersatzpräparat ist, erstattungsfähig.

Wir probieren solche Präparate im Eigenversuch aus...
Denn verwendet werden sollte nur, was Patienten auch schmeckt... Und es ist gut, wenn die Hospizbegleiterinnen und -begleiter wisse, welche Möglichkeiten der Mundbefeuchtung es gibt...
Selbstverständlich ist in der konkreten Situation eines Patienten der Arzt gefragt, medizinische Produkte zu verordnen.

Aber es gilt, was die S3-Leitlinie Palliativmedizin empfiehlt: "Es sollten geeignete Substanzen verwendet werden, die den Gewohnheiten und Vorlieben
des Sterbenden entsprechen und der Herstellung von Wohlbefinden dienen." (S3-Leitlinie Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung; Langversion 1.0 – Mai 2015; AWMF-Registernummer: 128/001OL - im Internet einsehbar)

Zur Anregung des Speichelflusses kann auch im Raum eine Aromalampe mit Zitronenöl aufgestellt werden.
Zum Befeuchten der Raumluft mittels Wasserdampf kann ein Topf mit heißem Wasser im Zimmer aufgestellt werden.